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Als boulevardeskes Leckerli wird uns am Titel Sex im Web und Drogeneinkauf im Web hingeworfen. Aus Angst als Beigabe zu GQ übersehen zu werden oder aus Kalkül für jene Leser, die in den zurückliegenden zehn Internet-Jahren nicht zuhaufs mit derartigen Geschichten eingedeckt wurden. Von der von Wired Deutschland angepeilte gut oder sehr gut verdienenden, technikaffine Zielgruppe kann das gerne übersehen werden.
Das Drogen-Thema entpuppt sich dann als zweiseitige Infografik - siehe übernächstes Bild - in bewährter US-Wired-Manier zu Beginn und als unscheinbarer Text-Beitrag am Ende des Magazins. Das Sex-Thema wird anhand von Badoo.com abgehandelt.
Hinter dem Inhaltsverzeichnis passiert bis zum Kommentarblock auf Seite 35 in den Inhalten wenig. Auf sanft schaukelnden Text-, Bild- und Grafikwellen schwemmt es Lesende an die intellektuelle Mole auf der fünf Kommentatoren ihre Perspektiven zu Zukunftsthemen vermitteln.
Nach dieser "Zäsur" im Heft erholt man sich bei Bildern und Beschreibungen von verschiedenen Gadgets bevor es in das Heft-Herzstück mit den Geeks geht. Das inhaltlich gut gelungen ist, da junge Innovatoren und ihre Ideen vorgestellt und beschrieben werden, die nicht diesen Mainstream-Innovatoren-Charakter haben, die von Medien gerne als Role-Models und Vorbilder für die zeitgenössische Generation an Digital-Unternehmern bis zur Übersättigung durchgereicht werden.
Jeff Jarvis liefert danach eine Rezension zu Büchern, die über den Erfinder des Buchdrucks Johannes Gutenberg erschienen sind und arbeitet dessen Vita als Metapher für Innovationskraft, Durchsetzungsvermögen, Beharrlichkeit, Risikobereitschaft und Entrepreneurship ab.
Wired Deutschland schließt mit Antworten auf Fragen wie "Wie finde ich den chinesischen Picasso?" oder "Wie isolier ich die DNA in einer Banana in der eigenen Küche?" oder "Wie werde ich Geek-Dad?"
Resümmee der ersten Ausgabe: Wired kommt quirlig, lebendig daher und vermittelt optisch Lebens- und Spielfreude und bietet Lesern Möglichkeiten für Entdeckungen. Inhaltlich überlagert das Ernstgenommenwerdenwollen und die Pädagogik die optische Leichtigkeit. Der Start war gut. Das darauf folgende Rennen wird - wünschen ist erlaubt - besser. Fortsetzung folgt hoffentlich. Die US-Ausgabe ist glücklicherweise keine Alternative sondern das Original. Wired Deutschland eignet sich als zusätzlicher Lesestoff zu Wired.
atmedia.at/DieBlattlaus













