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09-01-2012     

Fluchthelfer Kollektivvertrag

at >> Als "Alarmstufe Rot" bezeichnet Rudolf Cuturi, Präsident des Arbeitgeber-Verbandes Druck & Medientechnik, die wirtschaftliche Situation der österreichischen Druckereien. Die Betriebe flüchten, eingezwängt zwischen kontinuierlichen Umsatz-Rückgängen und einem, wie zu vernehmen ist, bis zur Halsstarrigkeit unbeweglichen Kollektivvertrag zunehmend aus diesem Regelwerk für die Bediensteten der Branche. Und eine neuer kollektivvertraglicher Kompromiss ist derzeit, trotz immer lauter tickender Uhr, keiner in Sicht.

Ausweichler und Flüchter
Der Verband Druck & Medientechnik und Cuturi machen mittlerweile offen darauf aufmerksam, dass die wirtschaftliche Situation nur mehr ein Ausweichen in andere Rahmenbedingungen, die Gewerkschaft GPA-djp auf der anderen Seite spricht von "Kollektivvertragsflucht", erlaubt.

"Die Druckvorstufe wird auf einmal in den wesentlich billigeren Kollektivvertrag für Werbung und Marktkommunikation ausgelagert. Etiketten- und Verpackungsdruckereien flüchten in die papierverarbeitende Industrie", beschreibt Cuturi diese spezifische Form von "Arbeitsmigration".

Die Erosion im Kollektivvertrag für das grafische Gewerbe ist aber hiermit noch nicht zu Ende. Cuturi: "Im Falle von gewerkschaftlichen Kampfmaßnahmen könnten die Zeitungsdrucker aus dem Verband Druck & Medientechnik austreten. Deren Kündigung der Mitgliedschaft steht im Raum. Bald werden nur mehr eine Handvoll Druckbetriebe tatsächlich im grafischen Kollektivvertrag angemeldet sein." Tendenziell zeichnen sich Verlegungen von Druckstandorten in benachbarte Märkte, die ein niedrigeres Lohnkosten-Niveau aufweisen ab.

Entrümpelung des Kollektivvertrags
"Der Kollektivvertrag, der ursprünglich der ökonomischen Absicherung und dem Schutz von Arbeitnehmern diente, erweist sich sukzessive als dessen Gegenteil", schlußfolgert Cuturi. Derzeit etabliert sich eine Zwei-Klassen-Gesellschaft in der Druck-Branche.

Kollektivvertragsflüchtende Betriebe können aufgrund der besseren Kostenstruktur den Wettbewerb stimulieren und kollektivvertragstreue Mitbewerber unter Druck und Zugzwang setzen. Dort folgt entweder der Aufbruch in die Kollektivvertragsflucht oder der Abbau von Beschäftigten.

Druckereien mit Kollektivverträgen anderer Branchen schaffen sich wiederum innerbetriebliche Instabilität, die sich wiederum mittelfristig auf die Qualität der Produkte auswirkt und steigende Fluktuationsraten zur Folge hat.

Cuturi: "In den letzten drei Jahren hat die Druckbranche 35 Prozent der Dienstnehmer und 20 Prozent der Betriebe verloren". Er peilt eine "Entrümpelung des Kollektivvertrages" an. "Das können wir natürlich nur gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern der Gewerkschaft GPA-djp", erklärt Cuturi.

Für den 11. Jänner ist zwischen Arbeitgeber-Verband und Gewerkschaft eine neue Kollektivvertragsverhandlungsrunde angesetzt. Cuturi: "Bisher waren die Gespräche mit der Gewerkschaft zwar konstruktiv, aber leider erfolglos".

Die Zeit drängt. Der derzeit geltende Kollektivvertrag für das grafische Gewerbe hat ein Ablauffrist, die sich rasch ihrem Ende nähert.

atmedia.at

 

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